Der Gehirnbug

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

„Aller Anfang ist schwer“ und „unverhofft kommt oft“ – mit dem Phrasenschwein in den nächsten Blogartikel. Thema: Kreativität und der unvollkommene Prozess des Werdens.

 


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                      Bloggen dauert manchmal länger als man denkt.

 

 

 

 

„Kreativität heißt, aus dem Chaos Ordnung zu schaffen“ sagte der österreichische Journalist Georg Stefan Troller einmal. Ich finde er hat Recht. Zumindest was das Chaos in meinem Kopf angeht.  

 

Ich sitze im Bus oder gehe spazieren. Ich sehe die Menschen und die Umgebung und komme ins Grübeln. Über das, was ich sehe und was ich damit verbinde. Ich fühle nichts, ich bin total in mich gekehrt und bin einfach nur da und denke nach. Da passiert es. Plötzlich und ohne Vorwarnung. Wie ein spontaner Blitz entlädt sich -uneingeladen aber gern gesehen - eine Idee in meinem Kopf.

 

Ich lasse dem Gedankenblitz Platz sich zu entfalten und versuche die Idee zu fühlen. Wärme und Wohlbefinden bereitet sich in mir aus. Es sind diese Momente im Leben, die man am liebsten festhalten würde. Doch greife ich nach ihnen, fasse ich meistens nur ins Leere.

 

In solchen Augenblicken wünsche ich mir jedesmal ich hätte an einen Block gedacht um meine geistigen Ergüsse sofort aufs Papier zu bringen, jedoch bleibt es meist beim Wunsch. Aber langsam entfaltet sich die Idee. Wie ein neugieriger kleiner Schmetterling traut er sich immer weiter in die kreativen Sphären meines Gehirns vor. Der Gedanke lernt zu fliegen! Ich merke, es handelt sich um eine Idee für den Blog.

 

Irgendetwas da draußen muss mich angeregt haben, über ein neues Thema zu schreiben. Aber was war es? War es der Mann dort hinten? Vielleicht. Irgendetwas auf dem Weg, ein Gefühl, ein Bild, ein Geräusch oder Geruch hat eine kleine elektrische Zündung in meinem Kopf ausgelöst.

 

In Gedanken formuliere ich die Idee weiter. Wort für Wort und Satz für Satz. Mein Papier ist meine Vorstellungskraft und die Tinte sind meine Gedanken. Imaginär setze ich Kommas, formuliere einzelne Passagen um und setzte Absätze. Noch ein Satz, das Fazit und der Artikel steht. Klasse Felix, gut gemacht! Ich bin stolz auf mich selbst und das warme, gute Gefühl in mir wird noch stärker. Jetzt nur nichts vergessen! So wie der Artikel vor meinem geistigen Auge schwebt ist er perfekt. Ein Meisterwerk der deutschen Sprache. Onlineawards, Literaturnobelpreis – Ich komme!

 

Zu Hause setze ich mich sofort vor den PC um meinen imaginären Artikel elektronisch zu erfassen. In zehn Minuten würde ich fertig sein und ich hätte wieder Zeit für die wichtigen Dinge – Serien gucken, Lesen, mit Autisten kämpfen oder mich um mein Studium kümmern. Nur eben noch schnell meine Gedanken aufs Papier bringen  - nichts leichter als das. Doch dann kommt was kommen muss.

 

Wie war der Satz doch gleich? Hatte ich den vor oder nach dem nächsten Abschnitt? Und wie gings eigentlich weiter? Mein Gedankenluftschloss zerspringt und ein Gefühl der Panik macht sich breit. Bis eben wusste ich doch noch alles! Das kann doch nicht sein! Es fühlt sich an als hätte ich einen Gehirnbug.

 

Error 402: Beim Abrufen des eben Erdachten ist ein Fehler aufgetreten! Mein Gehirn eine Festplatte. Ein Mensch gefangen im binären System.

Es ist ja nicht so, dass es das erste Mal passiert. Doch alles weitere Überlegen nützt nichts. Der Artikel wird einfach nicht mehr so, wie er vorher war. Ich habe ihn nicht vergessen, aber auch das, was ich aus den Gedankenfetzen mache, fühlt sich nicht so gut an, wie es sich in meinen Gedanken war. Wo ist dieses warme, gute Gefühl beim Schreiben?

 

 Ich versuche mich zu konzentrieren, ich will den Artikel irgendwie zu Ende zu bringen. Beim Blick auf die Uhr fällt mir auf, dass ich schon wieder zwei Stunden am rekonstruieren bin. Ich schweife weiter ab, suche nach Lösungen für mein Dilemma. Kann man nicht irgendwie Gedanken sofort an seinen PC übertragen? Das wäre mal eine Idee für die Zukunft. Dann wäre ich auch endlich befreit aus diesem Dilemma. Aber bis es soweit ist, muss ich wohl weiter manuell aus dem Chaos Ordnung schaffen.

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Lennart 05/28/2011 17:48


Sehr gut getroffen!