Worum es eigentlich geht - Teil II

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

Den zweiten Teil meiner Abschlussserie „Worum es eigentlich geht“ widme ich dem Anfang der Geschichte Israels. Wie hat das eigentlich alles angefangen? Wie kam es dazu, dass sich der Traum des jüdischen Volkes einen eigenen Staat zu haben, erfüllt? Wie kam es, dass ein Volk, was die Kreuzzüge, die spanische Inquisition und die deutsche Endlösung überlebte, sich nach knapp 2000 Jahre Verstreuung wider sammelte, einen Staat ausrief und somit die biblische Prophetie erfüllt.

 

 

Römer – Osmanen

Obgleich die Juden im 2. Jahrhudert endgültig von den Römern aus dem heiligen Land vertrieben wurden, gab es in zahlreichen Städten wie Hebron, Jerusalem, Tiberias oder Safed immer jüdische Gemeinden. Nach ihrer Vertreibung „[…] blieb das Land Israel verlassen, verödet, versumpft, verwüstet und verachtet liegen.“[1] Im Mittelalter wechselte die Herrschaft von arabisch zu christlich/europäisch und wieder zurück. 1517 eroberten dann die Osmanen das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan.


 

1882 beginnt die erste große Einwanderungswelle der Juden ins Heilige Land. Auf Grund von antisemitischen Pogromen in Europa und dem Kriegsende suchten bis 1917, 80.000 Juden, vor Allem aus Russland,  eine neue Heimat. Ein Zuhause fanden sie vorwiegend  in den Städten. Zwischen Jerusalem, Beerscheva, Jaffo, Haifa und Tiberias befanden sich große, trostlose Wüsten,und Einöden in denen nur ein paar Beduinen und arabische Bauern  ansässig waren. „Ein erster offizieller Zensus hatte im Jahr 1844 in Jerusalem 7.120 Juden, 5.760 Moslems und 3.390 Christen gezählt.“[2] Weder arabische noch osmanische Herrschaft konnte die jüdische Gemeinden vertreiben, die in Jerusalem und Tiberias durchgehend die Mehrheit der Einwohner stellten.

 

 

Die jüdischen Einwanderer gründeten so genannte „Maschovot“ (Kolonien). Da man sich gegen arabische Überfälle wehren und bei der Bearbeitung des wilden, versumpften Landes  gegenseitig helfen musste, siedelte man in  kleinen Siedlungen nieder. Zwischen 1860 – 1912 wurden 40 neue „Maschovot“, wie z.B. Petach Tikwa, Rischon LeZion, Tel Aviv – als erste Stadt - und Degania, gegründet. Letztere gehörte jedoch einer neuen Siedlungsform, den Kubbizum, an. Hier wurde der Besitz geteilt und nach kommunistischer Idee gelebt.

 

 

Britische Mandatszeit - Unabhängigkeitskrieg

 

Im Verlauf des ersten Weltkrieges eroberte Großbritannien das Gebiet Palästina von den Osmanen.

 

Am 2.11.1917 erklärte der Staatssekretär im britischen Außenministerium,  Lord Arthur Balfour in einem Brief an den Zionisten Lord Walter Rothschild:

 

„Die Regierung Seiner Majestät betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei es sich versteht, dass nichts getan werden soll, was die […] Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften in Palästina […] beeinträchtigen könnte.“[3]

 

Die USA, Japan, Italien und Frankreich bestätigten später diese „Balfour – Erklärung“. Dies löste unter den Juden hohe Begeisterung aus, da ihnen hiermit eine Heimstätte nach 2000 Jahren Vertreibung versprochen wurde.

 

1919 und 1920 wurden in den Nachkriegskonferenzen von Paris und San Remo auch die Mandatsgebiete im Nahen Osten abgesteckt. Die Gebiete des heutigen Libanon und Syrien fielen an Frankreich und in den Grenzen von Jordanien und Israel (inkl. dem Golan) waren die Briten die Mandatsmacht. Zeitgleich kam es zu vermehrten Spannungen. Araber überfielen  jüdische Siedlungen in Nord-Galiläa und das jüdische Viertel in Jerusalem, woraufhin sich die jüdische Untergrundarmee und Vorgänger der Israel Defence Forces (IDF), die „Hagana“, bildete.

 

naherosten1920--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 24


 

1922 wendete sich jedoch das Blatt zu Ungunsten der Juden. Großbritanniens Interessen am arabischen Öl waren stärker als die Versprechungen an das jüdische Volk. So wurde 1922 der künstliche Staat Jordanien geschaffen, der noch bis 1946 als „Transjordanien“  Teil des britischen Mandatsgebietes war. Als König wurde Abdallah I eingesetzt. Sein Bruder Faisal, der 1920 vergeblich versuchte in Syrien als König die Macht zu ergreifen, wurde von den Briten im Emirat  Irak als König eingesetzt. Vater der Beiden war der saudische Scherif Hussein von Mekka. „ So wurden 1922 etwa 75 % des britischen Mandatsgebiets Palästina aus der vorgesehenen Heimstätte für die Juden ausgeklammert […].

 

 Arabische Drohungen, Anfeindungen und Überfälle hatten so dazu geführt, dass nur noch 25% des ursprünglichen britischen Mandatsgebiet Palästina für eine jüdische Besiedlung zur Verfügung standen.“[4]  Damit standen britischen Ölleitungen vom Irak bis zum britischen Hafen Haifa nichts mehr im Weg.



 

naherosten1922--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 28


 

Mit der Gründung Jordaniens war eine vorläufige Ostgrenze für den zukünftigen Staat Israel geschaffen. Beim Verlauf der Nordgrenze herrschte dagegen jedoch Uneinigkeit. 1923 gaben die Briten schließlich den Golan ab. Jüdische Siedlungen wurden dort vermehrt von Beduinen angegriffen. Außerdem bot der britische Hochkommissar Sir Herbert Samuel an, auf den Golan komplett zu verzichten. Als Gegenleistung sollte das Ostufer des Jordan und der See Genezareth britisch bleiben.

 

Doch die jüdische Einwanderung rief nicht bei allen Begeisterungsstürme aus. Besonders im Jahr 1929 kam es zu schweren Unruhen. Arabische Mobs stürmten jüdische Dörfer  und Viertel. „Allein in Hebron wurden mehr als 60 jüdische Einwohner abgeschlachtet. Das jüdische Safed ging in Flammen auf.“[5] Folgen der Unruhen waren 8000 jüdische Flüchtlinge und immenser Sachschaden.

 

 

aliahphasen--1600x1200-.jpgTabelle: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 37


 

Die Machtergreifung Hitlers 1933 gab der jüdischen „Alijah“ (Einwanderung) einen entscheidenden Impuls. Allein zwischen 1933 – 1936 wandern 235.000 Juden ein. Durch diese immense Zuwanderung wurden weitere Reserven frei, was den Landkauf und die Städtebildung betrifft. „Tel-Aviv wuchs in wenigen Jahren von einer Kleinstadt zu einer pulsierenden Großstadt.“[6] Durch den großen Einwanderungsschub kam es 1936 wieder zu arabischen Unruhen in Palästina. Mit Streiks und Ausschreitungen hofften die Araber einerseits das öffentliche Leben lahmzulegen und andererseits die Einwanderung zu stoppen.

 

judischesland1929--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 33

 

judischesland1936--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 41

 


 

Durch die anhaltenden Unruhen kam es 1936 zur „Peel – Kommission“, die einen ersten Teilungsplan Palästinas in einen jüdischen, arabischen und britischen Teil vorsieht. Die Juden und Briten zeigten sich zögerlich und wollte eine Entscheidung vertagen. „Aber die Araber lehnten den Vorschlag ab. Sie waren grundsätzlich gegen eine Zwei-Staaten-Lösung. Im September 1937 erklärten arabische Führer, dass sie niemals einen jüdischen Staat in irgendeinen Teil Palästinas zulassen würden.“[7]

 


Das Jahr 1939 stellt einen weiteren Wendepunkt in der jüdischen Geschichte Palästinas dar. In London sollte Anfang des Jahres eine Konferenz von jüdischen und arabischen Vertretern aus Palästina stattfinden. Die arabischen Vertreter weigerten sich jedoch mit Juden in einem Raum zu sitzen und forderten:

 

1.       1)  Totaler Stopp der jüdischen Einwanderung

2.       2)  Kein Landverkauf an Juden

3.       3)  Gründung eines freien, unabhängigen arabischen Staates auf dem kompletten    Mandatsgebiet Palästina

4.       4)  Deportation aller seit 1882 eingewanderten Juden

 

 

Im Mai 1939 veröffentlich der britische Kolonialminister Malcolm MacDonald ein Weißbuch, indem er die britische Verantwortung zum Stoppen der jüdischen Einwanderung, feststellt. „Aus zionistischer Sicht war das MacDonald-Weißbuch eine Katastrophe, weil es einem Programm zur Vernichtung der Juden gleichkam.“[8] Daraufhin erklärte David Ben-Gurion der politische Zionismus sei beendet, es beginne der kämpfende Zionismus. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erklärte er, man müsse den Briten im Krieg helfen, als gäbe es kein Weißbuch und das Weißbuch bekämpfen, als gebe es keinen Krieg.

 

Neben den Juden wanderten auch Araber aus den umliegenden Gebieten ein. Durch die zionistische Urbarmachung des Landes und die Mandatsverwaltung der Briten gab es viele Arbeitsplätze. So sind zwischen 1917 – 1948 ca. 300.000 Araber aus den Nachbarländern eingewandert und geblieben.

 

Mit Verlauf des Zweiten Weltkrieges begannen die Briten die Armee und Polizeistationen wie Festungen auszubauen. Grund dafür waren die bedrohlichen Nachrichten der Frontverläufe. Aus Nordafrika, Südrussland und dem Balkan näherten sich die Deutschen Palästina. Junge Juden meldeten sich bei den Briten freiwillig um gegen die Deutschen zu kämpfen. Doch zum Glück kam die Wehrmacht nie bis nach Israel.

 

Durch das MacDonald-Weißbuch wurde Einwanderung während des kompletten Krieges erschwert und war nur illegal möglich. Auch nach 1945 änderte sich daran zunächst nichts. Mehr als 250.000 jüdische Holocaust Überlebende gab es in den verschiedenen Lagern in Europa, doch die Briten erlaubte ihnen nicht in ihr Mandatsgebiet Palästina einzureisen. Durch ihre strikte Haltung in der Einwanderungspolitik verstärkten die Briten die jüdischen Freiheitsbewegungen. Anschläge auf Straßen, Schienen und Brücken durch Juden standen Hausdurchsuchungen und Ausgangssperren der Briten gegenüber. Die Untergrundorganisationen wollten damit erreichen, dass sich die Welt an ihr Versprechen erinnert, dem jüdischen Volk einen eigenen Staat in Palästina zu ermöglichen. Die Lösung dieser angespannten Situation findet sich 1946, als eine britisch/amerikanische Untersuchungskommission einstimmig das Weißbuch von 1939 für nichtig erklärt und sofort 100.000 Juden die Einreise gewährt.

 

1945 wird erst der Libanon, 1946 Syrien und Jordanien unabhängig. Am 18.02.1947 übergaben die Briten die Palästinafrage den Vereinten Nationen, da das restliche Palästina noch einmal in zwei Staaten geteilt werden sollte. Hier machte die Jewish Agency  einen Vorschlag, der jedoch von der UN, sowie von den Arabern abgelehnt wurde. Daraufhin wurde eine Sonderkommission (UNSCOP) gegründet, die Lösungsvorschläge erarbeiten sollte.

 

judischervorschlagun1947--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 66

 


 

Die UNSCOP setzte sich aus Vertretern aus elf Ländern zusammen. „Die jüdische Seite unterstützte die Arbeit der UNSCOP, während die Araber aus ihrer Ablehnung keinen Hehl machten und Kontakte mit den Ausschussmitgliedern mieden.“[9] Nach zwei innerhalb der UNSCOP abgelehnten Vorschlägen wurde im November 1947 der dritte Teilungsvorschlag, die UN-Resolution 181, angenommen. Juden in aller Welt jubelten über ihren neuen Staat und auch der jüdische Nationalrat nahm den Vorschlag an.

 

unresolution181--1600x1200-.jpgSkizze: Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 72

 


 

Die Araber hingegen nehmen den Vorschlag nicht an und antworteten mit einem neuen Streik und Terror gegen jüdische Dörfer. Man wollte den neuen Staat ersticken, bevor er zu atmen, beginnt. „Was in Lake Success mit Tinte geschrieben wurde, wird in Palästina mit Blut ausradiert werden. Das Schlachtfeld soll entscheiden, wer in diesem Land leben wird, erklärte der Führer des arabischen Nationalrates.“[10]  Die Araber hofften gegen den schwachen Staat leichtes Spiel zu haben. Sieben gut gerüstete, arabische Armeen marschieren von allen Seiten in das kleine Israel ein, dessen Einwohner schlecht bewaffnet, kaum militärisch gebildet und noch vom Holocaust gezeichnet waren. Am 15.05.1948 erklärten Ägypten, Syrien, Jordanien, Libanon, Saudi-Arabien, der Oman und der Irak Israel den Krieg.



[1] Reusch & Gerloff, Grenzenloses Israel – Ein Land wird geteilt, 2006, S. 7

[2] Ebd., S. 12

[3] Ebd., S. 20

[4] Ebd., S. 26 + 27

[5] Ebd., S. 35

[6] Ebd., S. 40

[7] Ebd., S. 46

[8] Ebd., S. 53

[9] Ebd., S. 67

[10] Ebd., S. 70

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