Wie Israel zu Schottland wurde - ein Reisebericht

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

 

Blutsverwandte im Land, der sicherste Partykeller der Welt und eine heilige Stadt, an der man sich die Hacken abläuft - eine Tour durch Israel's Regenzeit.

 

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"Was hast du Anfang Februar vor?", war die harmlose Frage mit der alles begann. Was soll man als Volontär schon groß machen? Die Arbeit ist unser täglich Brot, Seminare gibt's alle acht Wochen und Besucher sind immer herzlich willkommen.

Hereinspaziert, Herzlich Willkommen, Schalom in Israel !

 

Fragesteller der ominösen Anfangsfrage war mein Cousin Falk. Tatsächlich wollte er seine kostbaren, kurzen Semesterferien dafür opfern mich und Israel zu sehen.

Empfangen wurde er am 09.02 in angespannter Stimmung, denn Christian und Klaus sind am selben Vormittag zwecks Beendigung ihres Aufenthaltes nach Hause geflogen.

 

20.-Woche-7144--1600x1200-.JPG                   Petach Tikwa sagt Klaus und Christian (unten) auf Wiedersehen

 


 

Nichtsdestotrotz war die Wiedersehensfreude bei mir groß. Denn auf Grund räumlicher Trennung sah ich  Falk in der Vergangenheit nur höchstens jährlich. Endlich einmal Zeit ihn in einer Woche auf Herz und Nieren zu überprüfen und richtig kennenzulernen.

 

Nachdem wir in den ersten paar Tagen uns, meine Arbeit und Tel Aviv beschnuppert haben, folgten hektische Tage voller Überraschungen und Freuden.

 

Am Samstagabend wollten wir begutachten, wie sich der Deutschen liebstes Kind in Israel entwickelt - auf zur israelischen Fußballliga. Da nach Spielplan von den beiden Clubs in Petach Tikwa (Hapoel und Maccabi) Hapoel ein Heimspiel hatte, wurde sofort dem hiesigen Arbeiterverein für den Rest meines Aufenthalts die Treue geschworen. Das Stadion war auch nicht schwer zu finden...wobei....das ist ja noch nicht fertiggestellt. Hmmm....Und das Alte? Ach schon abgerissen?! Kann es sein, oder wäre sowas in Deutschland nie passiert? Vielleicht neige ich auch einfach schon dazu kuriose Dinge für den "Israelian Way of Life" zu beanspruchen.

 

Fußball gespielt wurde dann auch noch und zwar im Nachbarort Ramat Gan. Rein ins Taxi und ab gehts. Vor dem Stadion eine Menschenmenge die an sich keine ist. Draußen vor den Ticketschaltern geht es zu wie auf dem Basar. Also schnell die Tickets holen, unterwegs noch einen Petach Tikwa Fanschal kaufen und rein ins höchstens 1/4 volle Stadion. Stimmung war trotzdem super. Vor allem dank Falk, der ohne ein Wort Hebräisch Alles mitbrüllte. Ich hielt mich in Anbetracht der Textkenntnis wohlwollend zurück.

 

Beim Spiel folgte schnell die Erkenntniss, dass die Liga Ha'Al nun mal nicht die deutsche Bundesliga ist. Naja, deutscher Abstiegskampf sieht wahrscheinlich auch nicht viel ansehnlicher aus. Hauptsache das Ergebnis stimmte. 3:1 Heimsieg mit "Unseren Jungs" gefeiert. Welch ein Freudentag.

 

P1100860--1600x1200-.JPG                   Auf geht's Hapoel :)


 

Von Sonntag bis Mittwoch sollte es dann groß auf Reisen gehen. Erst mal zwei Tage in den Golan. Grüne Berge, alte Burgen, weidende Schafe, Nebel und Dauerregen - klingt nach Schottland, war aber tatsächlich Israel.

 

falktrip [1600x1200] Vier Tage Israel pur. Sonntag: Von Petach Tikwa (A) über Tiberias (B) nach Kiryat      Shmona (C), an der Libanesischen Grenze. Montag: Weiter nach Nimrod und Banias (D) und abends zurück nach PT. Dienstag, Mittwoch: Jerusalem (E).

 


 

Sonntagmorgen ging es mit dem Bus nach Tiberias. Von dort weiter in den schönen Yehudia Nationalpark. Von wegen. Selbiger schloss um 16 Uhr,letzten Einlass war um 14 Uhr und wer um 14.15 Uhr kommt, hat halt Pech gehabt. Deutsche Pünktlichkeit am See Genezareth.

Nur was nun? Also wieder zurück nach Tiberias und versuchen den Tag noch als Reisetag zu nutzen und in den Norden zu kommen. Im Internetcaffee schrieben wir dann alle verfügbaren Couch Surfer in Kiryat Shmona an, in der verzweifelten Bitte nach einer Bleibe für die Nacht.

 

Tatsächlich antworteten von den 14 angeschrieben 11, davon 9 positiv. Aber genug der Statistik. Der Erstbeste war Dani, ein Agragstudent.Er und seine Kommilitonen nahmen an einem gemeinnützigen Projekt teil, in dem Studenten in schlechte Wohngegenden ziehen und diese mit Aktionen, Ideen und Zeit wieder auf Vordermann zu bringen. Zu unserem Glück, hatten sie dort ein ganz besonderes Projekt: Die verrohdeten Bunker wieder herrichten. Also Junkies raus und "Partykeller" rein. So nisteten Falk und ich uns eine Nacht im Partybunker ein.

 

Dani musste noch etwas für seinen am kommenden Tag anstehenden Test lernen. Bei einem zeitvertreibenden Spaziergang bemerkten wir beide, dass die Gegend wirklich etwas heruntergekommen ist und das sich Kiryat Shmona nicht als Touri-Hochburg eignet. Unser persönliches Highlight war ein 24h Supermarkt.

 

Nach seiner Lernsession und zu später Stunde trafen wir uns dann noch mit Dani in seiner Studentenbude, wo wir seine Freundin kennenlernten, die wir sofort ins Herz schlossen.


 

20.-Woche-7276--1600x1200-.JPG                   Unser Partybunker

 


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                         Ich, Dani's Freundin, Dani und Falk

 

 

 

Am nächsten Morgen ging es dann morgens früh zum Nimrod Fortress, eine alte Araberburg auf einem Berg gelegen. Auf dem Weg dorthin, begegneten uns die skurrilsten und interessantesten Persönlichkeiten. Ein weiterer Begleiter war starkter Dauerregen und aufziehende Wolken, die sich uns als Nebelfronten zu erkennen gaben. Nach langer Reise erreichten wir dann endlich Nimrod und sahen allerdings wegen dem Nebel nicht viel.


 

20.-Woche-7296--1600x1200-.JPG                                     Endlich erreichen wir Nimrod - bei starkem Nebel


 

20.-Woche-7321--1600x1200-.JPG                      In der Burg. Wie sie sehen, sehen sie nichts !

 

 

 

  Nach der Burg wollten wir den Nationalpark Banias, das biblische Antipatris besuchen. Hier entspringt der Banias, ein Quellfluss des Jordan. Außerdem soll Jesus hier zu Petrus gesagt haben:

„Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (MT 16,18)

 

Passend dazu und was mich sehr beeindruckte war, dass hier tatsächlich ein unüberwindbares Felsmassiv diesen Ort prägt. Neben dem Felsen und den Anfängen des Banias gab es noch die Baniaswasserfälle zu sehen. Also machten wir uns auf den fast einstündigen Fußmarsch dorthin. Dort angekommen weckte uns ein Megafon aus unseren Gedanken zur schönen Landschaft auf. Es schrie auf Hebräisch, dass wir uns doch schleunigst beeilen sollten zum Ausgang zu kommen - SOFORT!!!.

 

Dort erkannten wir, wer dem Megafon seine Stimme gab. Ein Ranger. Verägert klärte er uns darüber auf,dass der Park um 16 Uhr schließt und mit Blick auf die Uhr stellten wir fest, dass das schon eine Stunde her war.Nachdem er unsere Unschuld an Hand fehlender Ranger auf der Route festgestellt hatte, war er so nett und nahm uns zurück nach Kiryat Shmona in seinem Ranger Pick Up.

 

20.-Woche-7353--1600x1200-.JPG                   Antipatris - felsenstark

 

20.-Woche-7394--1600x1200-.JPG                  Die Baniasfälle

 

 

20.-Woche-7399--1600x1200-.JPG                  Im Ranger Pick Up zurück nach Kiryat Shmona

 

 

Zurück bei Dani entschieden wir uns den letzten Bus zurück nach Petach Tikwa zu nehmen um am nächsten Tag ausgeschlafen nach Jerusalem fahren zu können.

 

Am Dienstagmorgen ging es früh gegen 7 Uhr los nach Jerusalem, denn wir wollten die Gelegenheit nutzen, den Tempelberg zu besteigen. Leider hatte dieser auf Grund eines muslimischen Feiertages geschlossen. Also nutzten wir die verbliebende Zeit und ich zeigte Falk im Schnelldurchlauf die Grabeskirche und wir machten einen Spaziergang auf der Stadtmauer.

 

Nachmittags besuchten wir dann das Israelmuseum mit dem Schrein des Buches. Dort werden die historisch wertvollen 2000 Jahre alten Jesaja Schriftrollen gelagert und der Öffentlichkeit präsentiert.

 

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20.-Woche-7446--1600x1200-.JPG                                       Im Israelmuseum

 

Abends fuhren wir dann ins Beit Or und genehmigten uns ein super Abendessen - Fertighünchen für 6€ aus dem Supermarkt.

Am nächsten Tag ging es wieder früh los zum Tempelberg. Die Moslems hatten ausgefeiert und er war für die Öffentlichkeit geöffnet.

 

20.-Woche-7472--1600x1200-.JPG                   Vor dem Felsendom

 

 

Nach dem Heiligtum der Moslems wollten wir ein wenig Abwechslung in unseren Tag bringen und schlenderten durch das jüdisch - orthodoxe viertel Mea She'arim. Nachmittags beendeten wir dann unseren Aufenthalt in der Holocaust Gedenkstätte Yad Wa'shem auf dem Herzlberg. So traurig es klingt, aber man kann auch dort abstumpfen. Auch bei meinem inzwischen dritten Besuch dort entdeckte ich immer noch neue Facetten in Yad Wa'shem, aber es nahm mich nicht mehr so mit wie die letzten Besuche. Ich versuchte innerlich eine gewisen Ehrfurcht und Anspannung aufrecht zu erhalten, doch wollte mir das nicht immer so gut gelingen. Oft erwischte ich mich dabei gelangweilt auf die Uhr zu blicken, da ich das Meiste dort schon kannte.

 

Abschließend besuchten wir noch den Hauskreis in Jerusalem, wo der Schriftsteller Johannes Gerlof sein Buch zum Paulusbrief Römer 9-11 referierte.

Am nächsten Morgen um 4 Uhr verließ Falk dann die WG Richtung Flughafen und ich konnte leider nicht mitkommen. Ich musste arbeiten.

 

Alles in Allem waren es anstrengende, weil erlebnisreiche Tage, in denen ich hoffentlich Einiges von Israel und meiner Arbeit vor Ort zeigen konnte. Nichtsdestotrotz habe auch ich einige neue Sachen erlebt und den Golan als "Klein Schottland" kennengelernt.


Wenn ihr auch Lust habt,schreibt mir  einfach eine Mail und fragt, was ich so mache.

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