Weihnachten und Silvester, oder: Keiner feiert, außer wir

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

Klirrende Kälte, Schnee, Familientreffen, Leckeres Essen, Kirchengang und Geschenke. So würde ich ein Weihnachten in Deutschland beschreiben.In Israel ist das natürlich etwas ganz Anderes.  Die Familienidylle kam hier aus der Dose - wenn man so wie ich in der Vorweihnachtszeit "Weihnachten mit Heintje" in der Youtube Dauerschleife gehört hat. Weihnachtsstimmung kam so jedoch nicht auf. Was störte war der Blick aus dem Fenster und das damit verbundene geistreiche Gespräch mit dem Mitbewohnern am Laptop:

"Wir haben Dezember, oder?"

"Hmm...."

"Wir haben 30 Grad?"

"Hmm..."

"Außer uns feiert dieses Fest in unserer Stadt wirklich niemand?"

"Hmm..."

"Frohe Weihnachten!"

 

Natürlich ist die Realität niemals so schlecht wie ich sie mir mache und so kam es, dass sich am 24. Dezember alle Hagoschrim Volontäre Richtung Yad Hashmona (bei Jerusalem) aufmachten, um dort ihr wahrscheinlich erstes Weihnachten im Nahen Osten zu feiern. 

Nach einem herzlichen Wiedersehen und der folgenden Zimmerverteilung ging es abends los mit einem bunten Abend, wo wir zur Einstimmung Weihnachtslieder sangen und jede WG einen kleinen Programmpunkt vorstelllte (Schekel WG: Weihnachtsbibelquiz).

 

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Die Schekel WG an Weihnachten

 


Der erste Weihnachtsfeiertag sollte uns alle nach Betlehem bringen, zu dem Ort, dem wir Weihnachten zu verdanken haben. Dort gingen wir, nachdem wir die Grenze zu den palästinensischen Autonomiegebieten passiert hatten, durch die Stadt zur Geburtskirche. Dort bestaunten wir das arabische Chaos, dass an Weihnachten hier schier unendlich erschien. Nach einem kurzen Blick dieses Gotteshauses verbrachten wir den Rest unserer Zeit  in den Souvenirläden Betlehems. Abends gab es dann noch einen gemeinsamen Programmpunkt, bei dem wir den Film "Der Besuch" guckten. Zum krönenden Abschluss beendeten wir den Abend dann in der hauseigenen Sauna.

 

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Die Westbank - Mauer bei Betlehem

 

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Parolen auf der Mauer

 

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In Betlehem hängen in den Straßen nicht nur Arafat und Abbas, sondern auch...

 

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... muslimische Märtyrer.

 

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Weihnachten in Israel - Palästina

 


 

Der dritte Tag eines Seminars ist tendenziell immer der Traurigste.

 Beim letzten gemeinsamen Gottesdienst werden die Volontäre verabschiedet, die ihr letztes Seminar hatten. Wie traurig das eigentlich ist, musste ich bei diesem Seminar auch feststellen, denn bei den letzten Seminaren waren nie Volontäre dabei, mit denen ich angefangen hab - zu denen man doch ein intensiveres Verhältnis hat. So mussten Petra und Mirjiam (Haifa), Johannes und Jan (Jerusalem) und leider auch Christian, Klaus und Susi aus der Altenheim Wg (Petach Tikwa) nach vorne und vor allen erzählen, wie sie ihre Zeit hier erlebt haben. Nach dieser ziemlich intensiven Verabschiedung stand das obligatorische Gruppenfoto auf dem Programm.

 

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Christian, Susi und Klaus bei der Verabschiedung

 

 

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Hagoschrim Seminar Yad Hashmona - 24.12 - 26.12.2010 - 

 

 

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Petach Tikwa Volontäre

 

 

Nach dem Seminar fuhr ich nach Jerusalem mit, weil wir uns abends den Chorauftritt von Lukas, Rahel, Jojo und Boas angucken wollten. Die vier singen in einem Tel Aviver Chor, die zu Weihnachten "Messias" von Händel aufgeführt haben. Vorher gingen wir zu den Volontären im French Hospital. Dort wurden wir zufällig Zeugen eines privaten Klavierkonzerts von einem israelischen Professor für Klavier an der Universität Freiburg. Danach gingen wir in die Innenstadt in die Grabeskirche, wo uns Christian eine kleine Gratisführung gab. Abends stand dann wie gesagt das Chorkonzert auf dem Programm.

 

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Boas (v.r.), Rahel, Jojo und Lukas nach dem Konzert

 

 

Silvester wollten wir als Hagoschrim - Volontäre zusammen feiern und darum lud die Altenheim WG zur großen Silvester Sause. Diesem Aufruf folgten auch viele Hagoschrimer. Ich konnte leider erst nach meiner Schicht um 21 Uhr dazustoßen. Gegen 23 Uhr machten wir uns auf den Weg mit ein paar Sheruts nach Tel Aviv. Dort trennten sich dann die Wege der beiden Interessengemeinschaften Bar - Disco. 

Leider fanden wir den Club nicht, zu dem wir wollten, wegen eines kleines hebräischen Lesefehlers meinerseits - macht aber nicht, auch die Suche war ganz witzig. Letztendlich fuhren wir dann wieder mit dem Taxi zur Interessengemeinschaft Bar, wo wir dann zusammen den Abend/Morgen ausklingen ließen. Um 8.00 Uhr am nächsten Morgen durfte ich dann mein Jahr 2011 mit einer schönen Frühschicht beginnen!

 

So wünsche ich allen ein gutes neues Jahr 2011 und viel Erfolg!

Meinen Vorsatz weniger stressige Sachen zu machen, habe ich schon vor der Jahreswende vorsorglich im Schrank eingeschlossen - vielleicht lasse ich ihn nach Januar heraus. Denn am 03.01.11 kommt Sina zu Besuch und vom 11.01 - 15.01 plane ich mit 7 weiteren Volos eine Radtour 160 km durch die Wüste nach Eilat, wo ich dann am 15.01 auch meinen Geburtstag feiern möchte. Dazu nehmen  noch 12 weiter Hagoschrimer den erschwerlichen Weg auf sich, sodass wir zu 20 hoffentlich eine schöne Feier haben.

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Theresa 01/18/2011 09:47


wow.. interessant das zu lesen!! ich hab nach nem blog von alyn volos gesucht, da ich nächsten sommer dort ein praktikum machen werde und bin auf deiner seite gelandet ;) würde mich freuen wenn du
dich mal per email melden könntest und ich dich mit ein paar fragen löchern darf.. danke!