Die Drahteselkarawane

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

Ich hatte Geburtstag. Nicht irgendein Geburtstag, sondern mein 21. Quasi meine körperliche Eintrittskarte nach Las Vegas.

Für diesen Anlass wünschte ich mir nur drei Sachen: ein kleines Abenteuer, viel Sonne und eine große Gemeinschaft.


 

Der erste Wunsch stand schon länger im Raum und immer wenn Lukas und ich über unseren gemeinsamen Wunsch sprachen blinzelte das Leuchten der Begeisterung in unseren Augen. Außerdem dachte ich mir kann mit Lukas, einem ausgebildeten Royal Ranger, an der Seite nichts passieren. Warum also nicht eine Radtour durch die Wüste? Die erste Routenplanung von 250km erwies sich als nicht ganz komform für unseren Urlaubsplan, also musste das eigentliche Ziel, der Weg, gekürzt werden.

So entstand unser Plan: Von Mitzpe Ramon nach Eilat.160 km Spiel, Spaß und Spannung.


 

Also fluchs noch eine Rundmail an alle Hagoschrimvolontäre.

"Suche: Mutige, muskelbepackte Volontäre mit Gemeinschaftssinn.

Biete: Abenteuer in der Wüste und jede Menge Spaß."


 

Das Team des Erfolges kristallisierte sich schnell heraus und auch einige Absagen und eine spontane Zusage nahmen uns nicht den Mut.

So starteten Lukas und ich am elften Januar in Petach Tikwa.

"Warum hetzt du so, wir haben noch voll Zeit", war Lukas' erstes folgenschweres Zitat der Tour.

Zack, direkt den Bus in Petach Tikwa nach Tel Aviv verpasst. Jedoch gelang uns über einige Umwege schließlich doch der Weg über Be'er Sheva nach Mitzpe Ramon: Mitten in die Negevwüste!

Dort angekommen verbrachte Lukas den Rest des Tages damit, den transportierten Trina aus seinen Klamotten zu waschen. Hilfreich war hierbei die kleine Wasserstelle im Stadtpark, wo wir unser Zelt aufschlugen. Später am Abend kamen Johannes, Aaron und Bene und das Dreamteam war schon fast komplett. Nach der ganzen Anreisehektik sollte bei einem warmen Kakao die Vorfreude beginnen. Jedoch wollten die beiden selbstgebauten Dosenkocher nicht so recht ihren eigentlichen Zweck erfüllen und an ein offenes Feuer war im Stadtpark neben der Polizei- und Feuerwehrstation nicht zu denken.

 

20.-Woche-6578--1600x1200-.1.JPG                                     Schlafplatz in Mitzpe Ramon

 


 

Nach einer kurzen und kalten Nacht, sollte es am nächsten Tag endlich losegehn. Aber wer fährt schon gerne ohne Kaffee im Blut?

Stadtasuwärts gab es einen kleinen Wald mit gutem Feuerholz und einer Feuerstelle. Nach einem gemächlichen Frühstück kommt auch Boas an. Jetzt sind wir sechs endlich vereint und bereit für das Abenteuer. Also gehts jetzt endlich los...zumindest bis wir 100m weiter an  der Tankstelle sind, weil ohne geputzte Zähen fahren wir auf keinen Fall. Wir wollen ja unterwegs ein gutes Bild abgeben. Aber jetzt gehts endlich los...wieder nur 100m weiter zum Wasserspender. Nicht das uns unterwegs das Wasser ausgeht. Also geht es jetzt endlich los...und schon wieder nur 100m weiter zur Aussichtsplattform.Wir stehen auf dem Rand des Ramon Kraters. Beeindruckend. was folgt ist der tatsächliche Start der Radtour und eine Abfahrt die uns die Endorphine in die Blutbahn treibt. Was soll uns jetzt noch geschehen ?

 

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                                                                    Auf geht's

 

20.-Woche-6634--1600x1200-.JPG                                                                       Wüste

 


 

Was uns geschieht ist der erste kleine Hügel. Schon wird die Strecke verflucht, der Sattel ist zu hart und sowiso zweifele man schon seit langem, dass diese Tour auch nur ansaztweise erfolgreich ist. Einen Hügel weiter fangen die Ersten an zu schieben. Was ermuntert ist der Blick auf die Karte, der einem sagt, man hat schon viel geschafft. Wobei die Genauigkeit einer Reiseführerkarte in der Wüste hier einmal wohlwollend nichtbeachtet wird.


 

Krafttankend nehmen wir kurz vor Tagesziel unser Mittagessen mitten in der Militärischen Schutzzone ein. "Firing Zone - Entrance vorbidden" stand da am Wegesrand. Zu beiden Seiten. Den kompletten Weg lang. Die komplette Wüste als militärisches Schutz- und Übungsgebiet. Ein paar Hundert Meter weiter schlagen wir unser Lager auf. Etwas abseits vom Weg hinter einem kleinen Hügel versteckt steht ein Baum. Um ihn rum lauter trockene Äste - unser kleines Zeltlagerparadies. Das Feuerholz reicht für die drei Draußenschlafenden die ganze Nacht. Doch ich schlafe im Zelt. Eine hartnäckige Erkältung zwingt mich zur Ruhe. So wache ich mit eingefrorenen Füßen am nächsten Morgen nach meiner ersten Wüstentournacht auf. Zum Frühstück gibt es dann Weißbrot mit Marmelade oder Schokocreme.

 

20.-Woche-6658--1600x1200-.1.JPG                                              Vorsicht ist geboten

 

20.-Woche-6687--1600x1200-.JPG                                                               Feuerstelle

 

20.-Woche-6688--1600x1200-.1.JPG                                                               Schlafplatz


 

Also weiter auf der Tour. "Irgendwo hier muss eine Tankstelle kommen", gebe ich immer öfter mein bedenkliches Halbwissen preis. Der Wasservorrat nimmt ab - die Hitze steigt. Diese schier endlos gerade Straße und nirgendwo Wasser in Sicht. Doch da hinten...eine Oase...oder doch nur eine Fatamorgana...? Die Oase war keine Fatamorgana, sondern, wie wir es nett umschrieben ein "Hippielager".  "May all beings be happy" stand in schnörkeliger Schrift am Eingang und Lukas kommentierte das ganze nur trocken mit: "Hier riechts nur so nach Unzucht!". Doch das Wasser nahmen wir trotzdem gerne an, war ja kostenlos. Auch gönnten wir uns ein Wassereis und unterstützten so die hießige Hippieindustrie. Vor den Toren des Lagers stärkten wir uns dann mit unseren Nudeln und bereiteten uns für die bevorstehenden Aufgaben gründlich vor - mit einem kleinen Mittagsschlaf.

 

20.-Woche-6701--1600x1200-.1.JPGDie Drahteselkarawane


 

Weiter ging es und die Laune der Gruppe nahm antiproportional zur Steigung ab. Da es nun ziemlich bergauf ging, machten wieder allgemeine Mittleidsbekundungen die Runde. "Das habe man alles nicht gewusst und achja falls es einer wissen will, der Hintern schmerzt ungemein. Und natürlich habe man zu keinem einzigen Zeitpunkt der Tour geglaubt, dass das alles hier klappt." Was folgt ist eine fast zehnminütige Abfahrt die alles Leid vergessen lässt und wäre es nicht schon fast dunkel, wir würden endorphingesteuert immer weiter fahren, irgendwann muss ja Eilat kommen. Kam es aber an diesem Tag nicht mehr. Wir suchten uns nach unserem Tagesziel von 60km ein schönes Lager in der Nähe einiger Bäume und einer Rinderfarm. Also fluchs das Zelt aufschlagen und das Lagerfeuer entzünden. Währenddessen fahren Aaron und Lukas zur Tankstelle, um Süßigkeiten zu besorgen.


 

Am nächsten Morgen wird probiert ob der Rest des Reisgerichts auch frühstückstauglich ist. Ist er nicht. Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Vor der Weiterfahrt wird noch schnell der einzige Platten der Tour geflickt und der nahe Rinderfriedhof begutachtet. Dann gehts weiter. Zum Glück jetzt die letzten 50km auf einer schnurgeraden und flachen Strecke, sodass die Gruppenlaune endlich mal konstant bleibt - konstant gut. Denn mit jedem zurückgelegten Meter nähern wir uns unausweichlich Eilat. Nach kurzem Zwischenstopp an der Tankstelle - die sich als 24/7 Tourifalle einer Milchmarke herausstellt geht es dann weiter - bis zum Nationalpark Har Bai. Denn immer nur Radfahren ist auf Dauer auch sehr langweilig und da wir gut im Zeitplan lagen, konnten wir uns dieses Rahmenprogramm leisten. Der Park stellte sich als Zoo heraus und war auch gar nicht so toll. Mit einem Eis in der Hand und der Gewissheit, dass durch unseren Besuch Tierquälerei unterstützt wurde, fuhren wir nach Eilat.

 

20.-Woche-6775--1600x1200-.1.JPGKleine Rast

 

 

Das Bild, dass sich einem dort bietet ist unglaublich. Hinter einem liegt die karge Steinwüste, neben einem riesige Steinwüsten-Berge und vor einem das Rote Meer mit seinen Korallenriffen, keine 50m vom Strand entfernt. Außerdem liegt hier an der Südspitze Israels das Dreiländereck Israel, Ägypten, Jordanien.

Das Bild das sich uns bot, als wir ankamen war: Grauer Himmel und Regen.

Hatten wir doch die vergangenen 150km zurückgelegt damit wir zu meinem Geburtstag vom regnerischen Restisrael ins sonnige Eilat fuhren. Sollte es letztendlich doch ein regnerischer 21. werden? Sollte es nicht.

 

 

Abends kamen dann die anderen Partygäste aus Jerusalem, Haifa und Petach Tikwa, die alle fünf bis sechs Stunden im Bus verbrachten damit, sie mit mir meinen Geburtstag feiern konnten. Einfach klasse, dass neben uns sechs Radprofis noch einmal 12 Hagoschrimer kamen.

 

 

Am nächsten sonnigen Tag verbrachten wir den Tag unterschiedlich.

Ich ging mit einigen Anderen ins "Underwater Observatory" für 16€ Eintritt. Diese lohnten sich leider trotz Hai - und Schildkrötenfütterung nicht.

Abends gingen wir dann alle zusammen in eine nette Strandbar direkt am Roten Meer um meinen Geburtstag zu feiern. Zu später Stunde brachen wir dann auf und einige unerschrockene "Feierbiester" (O-Ton Louis van Gaal) gingen noch weiter in einen Club.

Am Folgetag stand dann die Abreise auf dem Plans, sodass ich schließlich abends völlig erschöpft von der Radtour und der Feierei endlich wider zu Hause ankam.

 

20.-Woche-6812--1600x1200-.JPGIm Underwater Observatory


 

Zu Hause erwartete mich dann neben meinem Geburtstagspaket von zu Hause auch deren Weihnachtspäkchen, das fast zwei Monate auf Tour war. Jetzt kann ich endlich den lang ersehten Weihnachtsstollen essen :)

Auch sehr gefreut habe ich mich über die Karten von meiner Verwandschaft und von Christoph aus Paris.

 

 

An  dieser Stelle noch einmal ein sehr herzliches Dankeschön an alle Partygäste und Radtourgeschädigte. Es war eine super Zeit mit euch  :)

 



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F & E Heimke 01/25/2011 13:23


Deine bBerichte sind immer sehr herzerfrischend .
Auch deine Geburtstagstour hat uns wieder sehr schmunzeln lassen - außerdem ist alles sehr anschaulich beschrieben.
Mach weiter so und noch eine schöne Zeit.

Oma & Opa


Aaron 01/25/2011 07:32


Mir kommt's fast so vor, als hättest du dich bei dem Teil über die Radtour irgendwo inspirieren lassen ;) Ich find's natürlich toll, dass du mehr auf die wirtschaftlichen Aspekte der Fahrt
eingehst.

Kleiner Fehler: Es waren Boas und Lukas, die zur Tanke weiter gefahren sind.