A wie Ulpan

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

Für die Eingewöhnung in ein Land muss man eins dringend können - die Sprache! Selbige erlernt man am im Ulpan, sofern man anwesend ist. Anekdoten aus einer Zeit zwischen Schulbank und Bett. 

 

 

20.-Woche 7606 [1600x1200]

      Jeden Morgen grübeln - heute Ulpan, oder doch nicht?

 

 

Nach unsere Ankunft in Israel und den ersten Arbeitstagen machte sich bei uns schnell Ernüchterung breit. Unsere paar Hebräischvokabeln reichen hinten und vorne nicht und von den Bewohnern oder Workern spricht keiner Englisch.

"Sollen wir in den Ulpan gehen?", war daher die Frage, die uns nicht mehr schlafen ließ. Die Argumente waren klar. Ein halbjähriger Sprachkurs, nachdem wir alle Hebräisch wie junge Hebräischgötter sprechen werden. Denn wir wollten nicht wie unsere Vovolos werden, die nie zum Ulpan gehen und den Test nicht machen, weil sie das Zertifikat auch ohne Test bekamen.

Demgegenüber standen zu den wöchentlichen 35 Arbeitsstunden noch einmal 22 Schulstunden. Auch der Preis von 1600 NIS (ca. 320€) war nichts für die stets geplagte Volontärsgeldbörse. Oder doch eine lohnende Investition in die Zukunft?

Erste Ernüchterung folgte nach der Mitteilung, dass unser Arbeitgeber uns nichts zu den laufenden Ulpankosten beisteuern kann. Und das obwohl ohne Sprachkurs die Arbeit in der gewünschten Intesivität zu einer Arbeit am und nicht mit dem Menschen motierte.


 

Am Ende siegte jedoch der Wissensdurst und so machten sich Arnim, Lukas, Dabsel und ich auf in ein halbes Jahr voller Israelisch/Russischer Lebensfreude. Im Ulpan waren vor Allem wir funf es, die den Altersschnitt rapide senkten.Denn neben  junggebliebenen Mexikanern, Argentiniern und Kanadiern, war unsere "Ostblockfraktion" am stärksten. Mütter, Hausfrauen und teilweise Omas versuchten hier die Sprache ihres neuen Landes zu erlernen. Russland, Kazachstan, Moldawien, Uzbekistan, Estland,Ukraine, Weißrussland - aus nahezu allen Ländern der ehemaligen UDSSR machten hier Leute Alyia (Heimkehr).

Denn nach dem Einwanderungsgesetz gilt man als Jude, wenn die Großmutter Jüden war (Die jüdische Linie wird immer über die Frauen vererbt). Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks erkennen sehr viele ihre jüdischen Wurzeln, weil nur Juden haben das Geburtsrecht auf die israelische Staatsangehörigkeit. So schätzt man sind seit 1990 ca. 1 Million Juden aus der Planwirtschaftszone eingewandert. Dabei spielt es keine Rolle, ob die heutige Generation noch jüdisch ist bzw. lebt.

 

 

 

Im Ulpan war das absolute Highlight unsere Lehrerin Nawa. Dieses stets gut gelaunte Wesen ist wohl mit den Worten "Elegante, Israelische Omi" am treffendsten zu beschreiben.

Stets mit einem Lächeln auf den Lippen und um keinen Spruch verlegen,versuchte sie uns in die Geheimnisse der Hebräischen Sprache einzuführen. Dies tat sie auf eine liebevoll freie Art, indem sie den Unterricht mit Reihen wie "Ha Ir schelli" (Meine Heimatstadt) auflockerte. Als Lukas sein Stadtwappen präsentierte merkte sie  außerdem richtig an, dass auch Fische Augen brauchen (Ha dag zarich lirot!!!).

Dabei war es auch keine Seltenheit, wenn man eine geschlagene halbe Stunde die Vor- und Nachzüge der jeweiligen Städte diskutierte. Und man konnte die Uhr danach stellen, dass sich nach jeder neuen Information die mexikanische Mutter ohne vorheriges Handzeichen zu Wort meldete um uns mitzuteilen, wie das alles so in Mexiko  abläuft.


 

Generell die Mütter. Es ist durchaus nicht so, dass mich Erziehungsmethoden und ihre Geschichte im Bezug zum System der UDSSR nicht interessierten, aber im Sprachkurs? Nawa zumindest, als elegante israelische Oma, schien es zu interessieren und so bekamen wir jeden Tag mindestens einen Tipp, was Kinder dick macht und wie das in ihrer Kindheit (in Rumänien) ablief.

Auch in bester Erinnerung ist, wie Nawa stets selbst immer elegant, gekleidet, den Frauen und manchmal auch den Herren eröffnete, wie schön und klug sie doch seien. Auch von uns Deutschen war sie restlos begeistert: "Sind alle Deutschen so nett und klug wie ihr?"

 

 

Es ist jedoch erstaunlich wie sehr sich südländische Gepflogenheiten auf Einwanderer übertragen. Wir und Nawa waren davon zum Glück ausgenommen. So regten wir uns immer zusammen auf, wenn irgendwo in der Klasse ein Handy klingelte. Der Angerufene schritt meist gemächlichen Schrittes, unter den zischenden Lauten  Nawa's aus dem Klassenraum, um in aller Ruhe zu telefonieren.


 

Doch Nawa's Offenheit und ihre Fähigkeit den Kurs abwechselnd spannend zu gestalten, konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir auch manchemal so unsere Probleme mit der Sprache hatten. Im Ivrit, wie die Sprache richtig heißt, schreibt man nämlich grundsätzlich keine Vokale. Allerdings gibt es allerhand Ausnahmen. Warum das Ausnahmen sind, wissen die Israelis selbst nicht, denn die Sprache wure erst in Zeiten des aufkommenden Zionismus (um 1900) wiederbelebt, um nicht zu sagen neu erfunden.

Da ist zum Beispiel das Aleph (א). Dies wird meistens als A benutzt, kann aber je nach als Punktierung (wird in der öffentlichen Schriftsprache seltenst benutzt - die Israelis wissen ja immer was gemeint ist) auch zur Verstärkung des O, U, I, E oder auch nur als diese Vokale eingesetzt werden. Beispielhaft ist hier das Wort Ulpan (אלפן) selbst. Hier wird das eigentliche A(-leph) auf Grund der Punktierung als U benutzt.


 

Die Entscheidung ob Pro-oder Contra Ulpan musste trotz der Lernschwierigkeiten und des ansprechenden Unterrichts, jeden Morgen neu gestellt werden. Meist konnte ich Teufelchen und Engelchen auf meinen Schultern beobachten, wie sie im mein Gewissen kämpften. "Dein Bett ist noch warm und du konntest eben bei der Frühschicht schon kaum die Augen offenhalten" konnte der Herr im roten Kostüm brilliant vorlegen. Von der Gegenseite kamen dann meist Begriffe wie "Schlechtes Gewissen", "Viel Geld bezahlt" und "Unterrichtsstunden verpasst". Es war meistens ein sehr ausgeglichenes Match zwischen den Beiden.

Zum Ende hin nahm mein Erscheinen im Unterricht stark ab. Das lag neben gehäuften Reisen auch an nachzuholenden Schlafstunden. Leider (oder doch zum Glück ??) nahm das schlechte Gewissen bei Nichterscheinen mit der Zeit stark ab. Nawa registrierte zwar jeden Tag, dass wir unsere Hausaufgaben nicht hatten, aber  unsere Erklärung, dass wir den ganzen Nachmittag arbeiten würden und die restliche Zeit einfach mal für uns brauchten, stimmte sie meist zufrieden. Immerhin waren wir ja Volontäre.

 

So kam ich geschätzt auf eine Quote von 50% Anwesenheit. Hebräisch gelernt habe ich trotzdem. Im mündlichen Test darf ich auch ein Ergebnis von 83% vermelden.

Der Ulpan ist jetzt zu Ende, doch die Zeit dort möchte ich auf keinen Fall missen. Ich würde ihn jeder Zeit nochmal machen.

So wurden wir letztendlich doch nicht anders als unsere Vorgänger und waren oft nicht im Ulpan anzutreffen. Hebräisch haben wir allerdings doch gelernt.

Denn darauf kommt es bei der Arbeit mit den Menschen an.Nicht aufs Ergebnis 

 

Um über die neuesten Artikel informiert zu werden, abonnieren:

Kommentiere diesen Post

נאוה וקס 05/06/2011 16:56


שלום פליקס,
שמחתי לקור על מה שעבר עליך באולפן.
תודה על המחמאות שנתת לי.
ד"ש חם לכל החברים המתנדבים מגרמניה.
אני מקווה שאתה מצליח לדבר עברית בעבודה וגם בחוץ.
שבת שלום
נאוה