6. Woche (30.08. - 05.09.2010)

Veröffentlicht auf von felix.israel.over-blog.de

 

Dienstag 31.08.:

Nachdem wir Montagabend vom Galiläatrip wiedergekommen sind, durfte ich Dienstagmorgen als einziger aus der WG von 6-8 arbeiten. Nachmittags arbeiteten wir alle von 15-21 Uhr.

 

Mittwoch 01.09.:

Weil Dabsel und ich am Mittwoch beide nur von 6-8 arbeiten mussten, nutzten wir den freien Tag sinnvoll und fuhren mit dem Bus nach Jerusalem. Hierbei hatten wir an der Bushaltestelle eine interessante Begegnung mit einem deutschstämmigen 86 jährigen Israeli, der uns mal eben an der Bushaltestelle seine Lebensgeschichte erzählt, dass er 1939 gerade rechtzeitig aus Leipzig nach Israel vor den Nazis geflohen ist. Dafür liebe ich die Offenheit der Israelis. Man wird einfach überall angesprochen wer man denn ist und was man so macht. So machte ich schon einige interessante flüchtige Bekanntschaften hier in Israel.

Als wir dann in Jerusalem angekommen waren, schlenderten wir erst ein wenig durch die Innenstadt, als mir dann um 10.50 Uhr einfiel, dass ja der Felsendom, noch bis 11 Uhr aufhaben könnte. Also nichts wie hin und tatsächlich hatte er endlich mal geöffnet. Leider musste Dabsel das Gelände sofort verlassen, weil sie kein Tuch hatte um ihre Schultern zu verdecken. Ich aber nutzte die bleibenden 5 Minuten und machte noch Bekanntschaft mit zwei netten Deutschen aus Freiburg.

 

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Der Felsendom auf dem Tempelberg. Der Überlieferung nach soll hier auf den Berg Moriyya (Har HaMoriyya) als Gott die Welt schuf das erste Licht der Welt geschienen haben. Der Ort ist das weltweit einzige Heiligtum an dem Christen, Juden und Moslems gleichzeitig beten.

Die Moslems glauben, dass Mohammed hier in den Himmel aufgefahren sei (Sure 17,1). Außerdem sollen Abraham, David und Salomo (im Islam als Propheten verehrt) hier geopfert haben. Somit ist er der drittheiligste Ort im Islam nach Medina und Mekka.

Für die Juden ist der Berg heilig, weil hier die beiden Tempel standen. Salomo erbaute den Ersten ca. 960 v. Chr., der 587 v. Chr. durch Nebukadnezar zerstört wurde. Herodes der Große erbauten den zweiten Tempel, der 70 n. Chr. durch die Römer zerstört wurde. Übrig blieb nur die Westmauer, die heute als Klagemauer bekannt ist. Des Weiteren soll hier Abrahem von Gott versucht worden sein, seinen Sohn Isaak zu opfern (Gen 22,2).

 

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 Ich vor dem wahrscheinlich umstrittensten Heiligtum der Welt

 

 

Nach dem Tempelberg wollten wir die antike Davidsstadt besichtigen. Hier gibt es die Gihonquelle mit einem antiken Tunnelsystem, das schon in der Bibel erwähnt ist. In

 

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In der Davidsstadt. . .

 

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gibt es die Gihonquelle, dessen Wasser durch den Hiskija-Tunnel,  einen ca 500 m langen, engen und teilweise kniehoch-nassen Tunnel. . .

 

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. . .in den Siloah Teich mündet. Den Hiskija-Tunnel baute König Hiskija als Schutz gegen die anrückenden assyrischen Heere (2. Chr. 33,14). Im Siloah Teich soll Salomo zum König gesalbt worden sein: „Da gingen hinab der Priester Zadok und der Prophet Nathan und aBenaja, der Sohn Jojadas, und die Kreter und Pleter und setzten Salomo auf das Maultier des Königs David und führten ihn zum Gihon. Und der Priester Zadok nahm das Ölhorn aus dem Zelt und salbte Salomo. Und sie bliesen die Posaunen, und alles Volk rief: Es lebe der König Salomo!" (1. Kön 1,38-39)

 

 

Ab der Hälfte des Tunnels verflogte uns plötzlich ein ziemlich penetranter Araber und Dabsel und ich ahnten schon Übles, doch zum Glück verzog er sich, als wir aus dem Tunnel kamen.

Als Abschluss wollten wir noch das Grab von Oskar Schindler auf dem Zionsberg besichtigen, doch ich irrte mich leider im Friedhof. War wohl doch kein griechisch-orthodoxer der gute Mann :D. Aber wo wir schon mal auf dem Zionsberg waren, schauten wir uns noch gleich das Davidsgrab an. Hier dachte man das Grab Davids gefunden zu haben, allerdings ist das biblisch nicht auf dem Zionsberg sondern in der vorher von uns besichtigten Davidsstadt angesiedelt. Aber trotzdem gilt das Davidsgrab als heiliger jüdischer Ort, an dem man David gedenkt.

 

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Da das Davidsgrab ein heiliger jüdischer Ort ist, gilt Kippapflicht :)

 

 

 

Weil uns der Schock mit dem Araber im Tunnel noch immer in den Knöcheln saß, gingen wir in die Neustadt und gönnten uns ein schönes Frozen Joghurt.

Abends gingen wir noch in unsere Hagoschrimzentrale in die Hagai-Street, wo Thommy den Hauskreis leitete. Thema war: Prophetie in der Bibel. Bevor wir abends wieder nach Petach Tikwa zurückfuhren, hieß es noch Abschied von Thommy zu nehmen, da wir ihn vor seiner Abreise :( nicht mehr sehen würden.

 

Donnerstag 02.09.:

Weil in unserer WG in den letzten Wochen alle restlichen Ex-Volos abgereist waren (Noch einmal herzliche Grüße und ein ganz großes Dankeschön an Jan, Irina, Anna und Jasmin) lösten Arnim und ich unser 2er Zimmer auf und Arnim zog in das freigewordene Zimmer. Nun hatte ich es also in der Hand mein kleines hässliche Zimmer in den Wohntraum meiner Israelzeit zu verwandeln. Das tat ich dann morgens und nach ein wenig wischen, ein paar verschobenen Möbeln und ein wenig Dekoration an den Wänden war das Ergebnis schon recht ordentlich und ich fühle mich sehr wohl in meinem schönen neuen Zimmer :). (Vergleich zum Alten:Hier)

 

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Mein schönes neues Zimmer :)

 

 

Nachmittags hatte ich dann von 15-21 Uhr Schicht.

 

Freitag 03.09.:

Am Donnerstag hatte ich auf der Arbeit wohl etwas faulen Thunfisch gegessen, sodass ich am Freitag komplett den ganzen Tag mit Magen-Darm flachlag und mir literweise Magen-Darm-Tee zur Gemüte führte. Ich nutzte die Zeit und stellte die Videos bei Youtube rein mit den passenden Links auf dem Blog. Nachmittags setzte Arnim seinen tollkühnen Plan einen deutschen Apfelstrudel zu backen in die Tat um und so genossen wir zum Nachmittagskakao ein herrliches Stück Heimat. Da es meinem Magen schon ein wenig besser ging riskierte ich auch ein Stück dieser konditorischen Meisterleistung.

 

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Genau das richtige für einen angeschlagenen Magen. Ein herrliches Stück heimischer Apfelstrudel. Hmmmmmmmm....

 

Außerdem kam am Nachmitag Joni zu Besuch, ein Volontär aus dem Beit Or (Haus des Lichts - sein Blog siehe Links oder: hier) in Jerusalem. Er wollte seine paar freien Tage nutzen um uns in Petach Tikwa zu besuchen.

Abends machte ich mich dann auch mal im Haushalt nützlich und machte für alle ein herrliches Schabbatmahl: Kartoffelgratin und Tomaten-Zwiebel Salat.

 

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Schabbat feiert man am besten in der WG-Gemeinschaft (und mit Joni - rotes T-Shirt)

 

 

Da abends der Schabbat anfing, hieß es mal wieder für die ganze WG und zum Leidwesen einiger in Deutschland: Laptops aus.

 

 

Samstag 04.09.:

Am Samstag ging es mir wieder einigermaßen gut, sodass ich zu meiner Morgenschicht von 8-14 Uhr ging. Nachmittags haben Joni und ich geschlafen, da wir abends mit Erik und Christian aus der Altenheim WG wieder zum Fußball spielen mit anschließendr Pizza ins Baptistendorf fuhren. Hierzu kam auch Erik Q., der auch ein Volontär im Beit Or in Jerusalem ist.

 

Sonntag 05.09.:

Als Meine Chefin Marta den Schichtplan schrieb, hat sie wohl gedacht ich sei länger krank, sodass ich meinen freien Tag in der Woche am Sonntag bekam. Den nutzte ich natürlich, wie sollte es auch anders sein um mal wieder zu reisen. Und es war wieder Jerusalem, dass mein Ziel war. Einfach herrlich diese Stadt :).

Vor meiner Abreise fuhr ich morgens noch mit Dabsel zur Bank um endlich unseren Gehaltscheck einzulösen.

In israelischen Banken geht es zu wie in Deutschland an der Wursttheke. Erst mal ne Nummer ziehen. Aber es ist ja nicht so, dass mit den Nummer geklärt wäre, wer zuerst dran ist und wie das abläuft. Das Nummernsystem wird wie die Straßenverkehrsregeln in Israel eher als Vorschlag, denn als Muss ausgelegt. So stellen sich die meisten irgendwie an und wenn mal so etwas wie eine numerische Reihenfolge wird lauthals diskutiert ob das jetzt alles so rechtens ist, dass Nummer 310 wirklich vor Nummer 311 drankommt. Denn eigentlich war man ja schon viel eher da, man hat nur vergessen Nummern zu ziehen :D. Wunderschön mitanzusehen. Beim Warten ergeben sich auf Grund der hehrzhaften Offenheit der Leute in Israel aber immer nette Bekanntschaften und Dabsel und ich lernten hier in der Bank Frau Ledermann kennen, die 1949 aus Deutschland nach Israel kam.

Mittags fuhr ich dann mit Joni zurück nach Jerusalem, wo wir das israelische Parlament, die Knesset (hebr.: Versammlung) besichtigen wollten. Die hatte leider schon zu, sodass uns nur der Blick von außen blieb.

 

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Blick auf die Knesset

 

Außerdem stand vor der Knesset noch ein 3m großer Menorah Leuchter mit Szenen der jüdischen Geschichte, den Großbritannien Israel geschenkt hat.

 

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Ich und Joni vor dem Menorah Leuchter

 

 

Auf dem Weg in die Neustadt besuchten wir noch den Stand vom Vater von Gilad Schalit (Infos Hier. Website auf Deutsch kann man oben anklicken)

Sein Sohn wurde 2006 (!!!) als Soldat nahe dem Gazastreifen von der Hamas entführt und in den Gazastreifen verschleppt. Es gab in der Vergangenheit immer wieder Videos und Tonbänder von Gilad, sodass anzunehmen ist, dass er noch lebt. Sein Vater zeltet seitdem vor dem Amtssitz des israelischen Präsident, Benjamin Netanjahu, und verteilt neongelbe Bändchen. Er will dass man Gilad nicht vergisst und das die Regierung und Netanjahu etwas unternehmen um ihn freizubekommen. Der Stand war echt beeindruckend. Eine Zaunstrecke von knapp 100m ist voller Plakate mit Flaggen und Sprachen aus allen möglichen Ländern der Welt.

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Der Stand von Gilads Vater

 

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Der "Countdown". Tage die Gilad schon von der Hamas verschleppt wurde.

 

 

Abends fuhren wir in Jonis Arbeits- und Wohnstelle, ins Beit Or, in den Jerusalemer Stadtteil Gilo. Im Beit Or kümmern sich unsere Volontäre um Autisten. Dort besuchten wir den Flur, wo Kristina, auch eine Hagoschrimerin, arbeitet und aßen mit den Autisten zu Abend. Danach zeigte mir Joni noch seinen Flur und seine Autisten. Für mich war das erst mal ein ziemlicher Schock, weil ich hatte vorher noch nie etwas mit Autisten zu tun gehabt, aber nach einer kleinen Weile gewöhnte ich mich daran. Die Arbeit die die Hagoschrim Volontäre dort verrichten ist auf jeden Fall sehr viel anders als meine Arbeit mit geistig/körperlich Behinderten im Beit Schekel in Petach Tikwa.

Spät abends fuhren wir dann zu Kyrills (Hagoschrim Volontär im Ilan Krankenhaus Jerusalem - 100m vom Beit Or entfernt) Geburtstagsfeier. Er feierte in alten, verlassenen Ruinen eines Araberdorfes mittten in Jerusalem.

 

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Krissie, Joni und ich auf dem Weg zu Kyrills Geburtstag. Hier probierte ich mein neuerworbenes Kugelstativ für meine Kamera aus, was ich um die Stangen im Bus band. Saucool das Teil :)

 

 

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Feiern im verlassenen Araberdorf

 

 

Montag 06.09.:

Nach einer Nacht im Beit Or (meine inzwischen schon dritte in Jerusalem im Beit Or =) ) fuhren Joni und ich mittags zum Holocaustmuseum Yad Vashem. Hier waren wir bereits im Einführungsseminar, aber dort konnten wir mit unserer Führung nicht alles in Ruhe betrachten. Leider kamen wir ein wenig zu spät um uns alles in Ruhe noch einmal angucken zu können. Allerdings minderte das die Heftigkeit, die ein Besuch hier auslöst in keinster Weise. Unangenehm für mich war auch, als ich Erfahrungsberichte von Überlebenden von Massenexekutionen der Nazis in Osteuropa betrachtete, setzte sich neben mich ein Jude, etwas älter als ich, der anfing heftigst zu weinen. War irgendwie eine komische Situation für mich. Nicht weil ich Deutscher bin und deswegen diesem Teil der Geschichte besonders verbunden, sonderen weil ich merkte, dass es mich genauso mitnimmt wie ihn.

Danach gingen wir in die Hagai in unsre Hagoschrimer Hauptzentrale, wo der Jerusalemer Hauskreis stattfinden sollte. Hierzu war Pastor Benjamin Berger, Pastor einer messianischen Gemeinde in Jerusalem, eingeladen, der uns einiges über die anstehenden jüdischen Feiertage Rosch HaSchana (jüdisches Neujahrsfest) und Yom Kippur (Versöhnungsfest) erzählte. Abends fuhr ich mit der angereisten Altenheim WG wieder zurück ins traute Heim nach Petach Tikwa.

 

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In der Hagai. . .

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